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Aus der Dunkelheit ans Licht!

Im Gesellschaftsteil der Süddeutschen Zeitung schrieb Werner Bartens am 10. April über Menschen mit Depressionen: „Die im Dunkeln“.

Dr. Kathrin von HardenbergAnlass war der entsetzliche Flugzeugabsturz, den der junge, offenbar psychisch kranke Copilot absichtlich herbeigeführt hat.

Rasch stand „die Depression“ des Copiloten als Ursache im Zentrum der Diskussion. Das unfassbare Geschehen verlangte nach einer schnellen, eindeutigen Erklärung – es war also „die Depression“! Aber was ist „die Depression“? Werner Bartens warnt in seinem Artikel vor einer eindimensionalen Diskussion, die der Komplexität der menschlichen Seele nicht gerecht wird und zudem droht, Depressive unter Generalverdacht zu stellen.

„Die Depression“ gibt es nicht! „Die Depression“ ist ein Chamäleon, mit individueller Ausprägung, psychischen und körperlichen Symptomen und einem unberechenbaren Verlauf. Sie trägt ähnliche Züge und ist doch immer einmalig.

Zwar können Depressionen unvermittelt, wie aus heiterem Himmel auftreten, aber häufig entwickeln sie sich schleichend. Dann ist es besonders wichtig, dass die Betroffenen und ihre Umwelt frühzeitig aufmerksam sind und eingreifen.

Aber wie? Was brauchen Menschen, die an einer Depression leiden tatsächlich? Zuallererst Menschen, die ihnen aufmerksam begegnen, sich zuwenden, zuhören, die sie ernst nehmen und respektieren. Menschen, die weder bagatellisieren noch katastrophisieren und die sie frühzeitig ermutigen, fachliche Hilfe zu suchen, denn die gibt es durchaus! Es gibt eine Reihe effektiver medizinischer und (psycho)therapeutischer Behandlungsmöglichkeiten, die umso besser wirken, je früher sie ergriffen werden. Zu Recht weist Werner Bartens darauf hin, dass trotz allen Fortschritts nicht jede Depression heilbar ist – es gibt auch chronische Verläufe.

Auch die gesamtgesellschaftliche Haltung spielt eine wichtige Rolle: Solange depressive Menschen fürchten müssen, an den Pranger gestellt oder gemieden zu werden, werden sie kaum bereit sein, sich zu ihrer (quälenden) Verfassung zu bekennen. Um die Haltung einer ganzen Gesellschaft zu verändern, braucht es einen langen Atem und viel, viel Aufklärung. Aufklärung über das Zusammenspiel biologischer, lebensgeschichtlicher und sozialer Einflüsse, über die Wechselwirkung von Psyche und Körper und nicht zuletzt über Hilfsangebote und Behandlungsmöglichkeiten.

Ich finde die Vorstellung einer aufgeklärten Gesellschaft, in der Menschen mit Depressionen darauf vertrauen können, dass sie auf ihrem Weg bestmöglich unterstützt werden und – wenn nötig – vorübergehend Verantwortung abgeben können, erstrebenswert.

Spielt in diesem Kontext auch das Burnout-Syndrom eine Rolle? Ein Burnout muss von einer Depression unterschieden werden! Ein Burnout kann sich entwickeln, wenn die Arbeitsbelastung dauerhaft zu hoch ist und Phasen der Regeneration und Reflexion fehlen. Allmählich sinken Leistungsfähigkeit und Lebensqualität, was den Betroffenen oft erst spät bewusst wird – in der Regel fällt es der Umwelt viel früher auf, wenn sich eine bedrohliche „Schieflage“ entwickelt. Hier ist die frühe Intervention von besonderem Wert, denn ein „ignorierter“ Burnout kann, muss aber nicht, in eine manifeste Depression führen.

Wie wäre es, wenn in Unternehmen im Hinblick auf die psychische Verfassung ihrer Mitarbeiter ein vorurteilsfreier und aufgeklärter Umgang herrschte? Wenn Arbeitnehmer wüssten, dass sie auf Verständnis und Unterstützung zählen könnten? Um wie viel leistungsfähiger und produktiver wären diese Unternehmen? Unterstützung für diesen Prozess finden Unternehmen bei qualifizierten, verantwortungsbewussten Coaches, die sie bei der frühzeitigen Erkennung ungünstiger Arbeitsbedingungen begleiten und mit ihnen nachhaltige und wirkungsvolle Maßnahmen entwickeln, um den Erfolg des Unternehmens zu sichern. Es liegt in der Hand der Leitung, des Managements und moderner, aufgeschlossener Executives, die an dieser Stelle ihrer Führungsverantwortung in besonderem Maße gerecht würden.

„I have a Dream“: Menschen, die fürchten, sich im Dunkeln zu verlieren, werden Licht am Ende des Tunnels sehen.

(zum Artikel)

Dr. Kathrin von Hardenberg

 

 

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