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Braucht es wirklich neue Organisationsformen?

Gastbeitrag von unserer Kooperations-Partnerin Claudia James

Franz Kühmayer konstatiert in seinem Interview für den Tagesspiegel vom 27.05.2016 unter dem Titel „Hierarchien haben ausgedient“ dass es in Zukunft neue Organisationsformen in (großen) Unternehmen brauche, um „Menschen in ihrer Individualität, in ihrer Vielschichtigkeit, in ihren unterschiedlichen Arbeitsstilen dazu, [zu bringen] zusammenzuarbeiten[.] Und daraus ergeben sich Herausforderungen, die ich nicht mehr mit pyramidenartigen oder hierarchischen Strukturen lösen kann, sondern wo ich neue Organisationsformen brauche.“  Zudem führt er an, dass „[wir heute] aber sehr häufig erleben, dass in Unternehmen projektartige Strukturen entstehen, dass Mitarbeiter aus unterschiedlichen Abteilungen oder Fachbereichen zusammenkommen, um bestimmte Aufgabenstellungen zu lösen, und sich diese Struktur nach einer bestimmten Zeit wieder auflöst.“

Ich wundere mich wirklich immer wieder, wie alter Wein in neuen Schläuchen verkauft wird… letztendlich führt Herr Kühmayer zunächst nur die „gute alte“ Projektarbeit ins Feld, die – wenn Sie gut und strukturiert in einem Unternehmen angegangen wird – zwangsläufig dazu führt, dass sich in einem Unternehmen ständig neue Zusammenarbeits-Strukturen ergeben, die sich nach getaner Arbeit wieder auflösen.

So weit, so traditionell.

Was aber macht Projektarbeit eigentlich für ein Unternehmen wirklich erfolgreich?

Es ist mit Sicherheit nicht die Struktur an sich, sondern das neudeutsch genannte „Empowerment“ des Projektteams durch das Top-Management – also die Erlaubnis und die Unterstützung, dass Entscheidungen auf der Ebene der höchsten Kompetenz – und das sollte ein Projektteam sein! – getroffen werden. Das ist allerdings bei dem heutigen „Controlling“- Wahn, dem viele Manager entsprechen müssen, wenn er nicht sogar ihrem eigenen Führungsverständnis entspricht, leider in den Hintergrund geraten.

Schade, denn dadurch geht viel Energie und noch mehr Kreativität, Tempo und Motivation in Unternehmen verloren.

Aus meiner Sicht irrt Herr Kühmayer jedoch in einem Punkt, nämlich darin, dass alte hierarchische Strukturen per se ausgedient haben.

Warum?
Zum einen brauchen Mitarbeiter eine Heimat, also eine Struktur, die sich nicht ständig neu bildet und wieder auflöst, sondern einen festen Ankerpunkt bietet, beispielsweise eine Abteilung, aus der heraus sie in unterschiedliche Projekte eingebunden werden. Zum anderen ist es essentiell, dass Verantwortlichkeiten für Entscheidungen aber auch für Kommunikation klar geregelt sind und nicht zuletzt auch Führungsverantwortung.

Aus meiner Sicht ist es eine Illusion, ab einer gewissen Größe eines Unternehmens noch daran zu glauben, dass Mitarbeiter sich sozusagen basisdemokratisch selbst führen könnten.

Daher braucht es aus meiner Sicht keine Neuerfindung von Strukturen, sondern ein Nachdenken darüber, wie möglichst flach ein Unternehmen diese gestalten kann und außerdem verantwortliche („empowerte“) Projektteams und: ein gesundes und in diesem Sinne vielleicht neues (!) Führungsverständnis der Manager. Denn die Förderung und Herstellung von Zusammenarbeit ist vor allem eins: ein Führungsthema.

© Claudia James

http://www.tagesspiegel.de/themen/koepfe/new-work-in-unternehmen-hierarchien-haben-ausgedient/13646944.html

Claudia James arbeitete 15 Jahre in Führungspositionen und im Top-Management eines Konzern-integrierten Unternehmens. Aktuell berät sie große Unternehmen mit dem Schwerpunkt Wissenschafts- und Content-Marketing.

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