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„Karrieremittel Aggression?!“

Gedanken: Vor einiger Zeit habe ich einen Vortrag von Herrn Prof. Weidner zum Thema Aggression im beruflichen Kontext gehört.

Dr. Kathrin von Hardenberg

Vortrag und Vortragender haben im weiblichen Auditorium Resonanz gefunden und Diskussionen ausgelöst: Darf ich – ja, muss ich aggressiv sein, um beruflichen Erfolg zu haben? Kann ich lernen, aggressiv zu sein? Möchte ich das? Bin ich dann noch weiblich? Hat Aggression geschlechtsspezifische Merkmale? Welche Rolle spielt die Biologie? Ein Gedanke führt zum nächsten – auch bei mir, die ich mich als Ärztin, Psychotherapeutin und Coach sozusagen von Berufs wegen mit emotionalen Reaktionen befasse.

Aggression ist eine Reaktion, die allen Menschen zur Verfügung steht, Phasen unserer (kindlichen) Entwicklung dominiert, Gegenstand unzähliger (Erziehungs-)Ratgeber ist und seit Jahrhunderten Forscher auf der ganzen Welt beschäftigt. Gibt man „Aggression“ als Stichwort bei Google ein, so erhält man fast 55 Millionen Treffer …

Jeder Mensch hat (s)einen Begriff von „Aggression“, jeder Mensch hat seine eigene Art und Weise mit aggressiven Strebungen bei sich und anderen umzugehen. Dabei spielen unsere „Vorbilder“ – Eltern, Geschwister, Freunde, der soziale Kontext – eine wichtige Rolle: Sie vermitteln uns, wie wir Aggression erleben und bewerten, wie wir mit ihr umgehen oder ob wir sie aus unserem Leben verbannen. Das Thema „Aggression“ lädt geradezu zur ethisch-moralischen Bewertung ein. Über Aggression lässt sich trefflich streiten.

Aggression ist in der Regel mit unangenehmen Emotionen verknüpft: Gefühle wie Wut und Angst, vielleicht auch Enttäuschung oder sogar Ohnmacht – Gefühle, die die meisten Menschen möglichst schnell wieder los werden möchten. Mitunter kommt es in derartigen Situationen zu (impulsartigen) aggressiven Handlungen, die Spannung weicht … Wenn wir Glück haben, haben wir keinen großen Schaden angerichtet.

Wie aber sieht „positive Aggression“ aus? Geht sie mit angenehmen Gefühlen einher? Ich denke, dass im Vorfeld einer aggressiven Handlung immer unangenehme Gefühle stehen, dass wir aber lernen können, unsere Aggression zu kanalisieren anstatt sie unreflektiert auszuleben – wir können einen konstruktiven Umgang mit unseren aggressiven Strebungen finden und sie als „Antrieb“, als „Energie“ betrachten. Wenn wir einen konstruktiven Weg gefunden haben, werden wir mit angenehmen Gefühlen belohnt.

Im Berufsleben wird Aggression von Vielen begrüßt und sogar gefordert: „Mit Kampfbereitschaft ganz weit nach oben!“ Wenn wir an dieser Stelle innehalten, tauchen wieder Fragen auf: Welche Eigenschaften benötige ich, um beruflich voranzukommen? Welche Spielregeln gelten in meinem beruflichen Kontext? Welche Mittel sind erlaubt? Und ganz schnell wird eine persönliche Frage daraus, die es wert ist, reflektiert und beantwortet zu werden: Wohin will ich beruflich? Welche Mittel passen zu mir? Welche moralischen Leitlinien habe ich? Wie zeige ich mich im Beruf? Und wie bin ich im Privatleben? Ich könnte die Liste der Fragen fortsetzen …

Diese Fragen sind nicht immer einfach zu beantworten und die Antworten können sich außerdem im Laufe der Karriere und des Lebens verändern. Es lohnt sich also, von Zeit zu Zeit unsere Strategie zu überprüfen und sie ggf. zu verändern.

Ein qualifizierter Coach kann hier mit unparteiischem Blick Unterstützung leisten und wertvolle Impulse geben.

© Dr. Kathrin von Hardenberg

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