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Laterale Führung

Auf den ZEIT ONLINE Artikel, der mit „Laterale Führung: Mitarbeiter von heute fällen einfach Entscheidungen“ überschrieben ist, möchte ich eingehen, indem ich dieses Mal nicht den dort interviewten Experten selbst, sondern einen der Kommentatoren zitiere:

„Laterale Führungen(!) und flache Hierarchien sind eigentlich Instrumente, um zu verschleiern, wer hier letztendlich das Sagen hat, die (dazu dienen,) Mitarbeiter ohne finanzielle Gegenleistung noch mehr in die Pflicht zu nehmen, und vielleicht auch, um einen Dummen zu haben, wenn etwas nicht funktioniert.“

button4Tatsächlich trifft das, wenngleich ein wenig polemisch ausgedrückt, ziemlich genau die Gedanken, die ich beim Lesen hatte.

Lassen Sie mich das an einem Beispiel aus einem ganz anderen Bereich erklären:

Neulich las ich von einer Studie, die belegt, dass Verbraucher den Unternehmen immer mehr Arbeit abnehmen, indem sie den gesamten Abwicklungsprozess um den Erwerb von Produkten herum selbst durchführen. Das bezieht sich nicht nur auf handfeste Produkte wie Bücher, sondern auch um Veranstaltungs- und Reise-Tickets oder Bank-Tätigkeiten, aber auch durch Selbstbedienung, durch eigenständige Nachverfolgung eines Transportes online, durch online Check-in usw. In Online-Portalen und –Shops, sowie an Automaten u.ä. machen wir vieles selbst, was früher Personaleinsatz erforderte. Dennoch kaufen wir die Ware zum gleichen oder jedenfalls zu nur geringfügig günstigerem Preis. Tatsächlich kaufen wir sie jedoch sogar viel teurer, wenn wir nämlich unsere Arbeitszeit dazu rechnen, mit der wir den Unternehmen diese sogenannten Gemeinkosten ersparen, die kein direktes Geschäft generieren. Was sich wie Freiheit anfühlt ist in Wahrheit eine Falle:

Beim Verbraucher steigt der Stress – bei den Unternehmen der Gewinn.

Worin besteht nun also die Parallele zum Thema „Laterale Führung“?

Natürlich ist eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, die Wertschätzung von Ideen, Meinungen und Mitdenken immer gut und zudem heute unerlässlich.  Heute nicht deshalb, weil ein solcher Umgang zwischen Führungskraft und Mitarbeiter nicht auch früher schon zu besseren Ergebnissen geführt hätte, sondern weil heute gute Ergebnisse überhaupt nicht mehr anders zu erreichen sind! Die Komplexität heutiger Systeme, Strukturen und Informationen bei gleichzeitiger Reduktion der Ressourcen ist nur noch durch die Mobilisierung des gesamten vorhandenen „Brainpools“ zu bewältigen. Und damit Menschen ihre volle Kompetenz entfalten, sich getrauen, Ihre Sicht der Dinge zu äußern, müssen sie vertrauen können, sprich, sich sicher sein, dass ihr Beitrag zwar nicht unbedingt immer übernommen, aber immer wertgeschätzt wird.

Soweit so richtig.

Wenn dem Mitarbeiter allerdings weiß gemacht wird, dass er „unternehmerisch“ handeln könne, obwohl er in Wirklichkeit gar keinen unternehmerisch-strategischen Entscheidungsspielraum, keinen Einfluss auf die Menge des Workloads oder wenigstens die Verfügbarkeit entsprechender Ressourcen hat, dann handelt es sich, wie im zitierten Kommentar gesagt, um eine Verschleierung der Tatsachen oder anders ausgedrückt: eine Falle! Das Ergebnis ist dann das gleiche wie in meinem Beispiel von der Verbraucher-Arbeit:

Beim Mitarbeiter steigt der Stress – beim Unternehmen der Gewinn.

Allerdings ist dieser Profit nur ein kurzfristiger, denn letztlich handelt es sich immer um eine Milchmädchenrechnung, wenn man das Wohlbefinden seiner Mitarbeiter auf´s Spiel setzt.

© Cristina Barth Frazzetta

http://www.zeit.de/karriere/beruf/2016-05/laterale-fuehrung-chef-hierarchie-mitarbeiter-fuehrungsstil-augenhoehe

Ein Kommentar zu "Laterale Führung"

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