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Geschichte aus der Notfall-Ambulanz

Unsere Dozentin Doina Weber, Präsenz-Coach, Schauspielerin + Schauspieldozentin, nimmt in diesem Jahr an einem Projekt an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien teil.

Angehende Ärzte sollen direktes Feedback auf ihre Gesprächsführung und ihr generelles Verhalten im Umgang mit Patienten bekommen. 

dr-christina-barth-frazzettaEmpathische Schauspieler stellen zunächst bestimmte Krankheitsbilder und Patiententypen glaubwürdig dar und achten dann darauf, wie von ärztlicher Seite mit ihnen umgegangen wird. Anschließend geben sie Rückmeldung darauf, wie das Verhalten und die Kommunikation auf sie gewirkt hat und benennen, was sie sich als Patient anders gewünscht hätten, um sich aufgehoben und sicher zu fühlen.

Die jungen Mediziner werden auf diese Weise sensibilisiert und haben zudem die Möglichkeit, neue Formen des Umgangs mit den (gespielten) Patienten zu üben.
Ein Ansatz mit viel Potenzial!
Doina Weber ist derzeit in Wiener Ambulanzen unterwegs, um Eindrücke für dieses Projekt zu sammeln.

Hier können Sie einen ihrer literarisch schönen Berichte lesen:


doina-weberAKH Wien, 10.1.2016 Notfall-Ambulanz

Kleine Frau mit Sonnenbrille, Ende dreissig, mäuseartig, sitzt vor dem HNO-­Behandlungszimmer. Steht auf, studiert, übergenau, durch schwarze Gläser das Schild an der Tür, das sie darauf vorbereitet lange warten zu müssen und sie davor warnt, unaufgefordert einzutreten-­ dann würde alles nur noch länger dauern. Sie setzt sich. Nimmt die Brille ab: die Nase ist zu einer unförmigen Hämatomlandschaft zertrümmert. Sie schaut gleichförmig vor sich hin. Als täte es nicht weh. Gelöschter Blick auf die Schuhspitzen. Eine vermutlich flache Nase in einem zarten Gesichtchen-­ aufgeschwollen zu einem Ungetüm, das sich als fremdartiger Wulst bis über die Brauen wölbt.
­„O jeh.“ Sagt der Arzt spontan „Was ist passiert?“
Es ist nicht wirklich Mitgefühl, mehr das Wissen, dass es für die Patientin schlimm sein muss, gemischt mit der professionellen Freude, dass ihm hier mal wirklich was geboten wird. Die Patientin lässt die Tür zum Flur mit den Wartenden weit offen. Absichtlich?
-„Naa, ich wurde geschlagen.“ Sagt sie in den Arztrücken hinein, der unbeweglich vor dem Computer sitzt und wieder in den Bildschirm starrt.
‐„Wer hat das gemacht? –Geschlagen? -­Wer hat sie geschlagen?“ knallt er rhythmisch in die Tastatur.
‐„Na mein Freund , natürlich.“ Ihr „r“ klingt hart und sperrig, nach einem anderen Land.
-­„Haben Sie das angezeigt? Sie müssen zur Polizei gehen und das anzeigen.“
‐„Nein.“
‐„Sie müssen das anzeigen, sonst müssen wir das machen.“

-„Machen Sie bitte die Tür zu!“ Unbeteiligt, ein wenig zu laut.
Die Geschlagene erscheint in Zeitlupe mit ihrem blau verwüsteten Gesicht im Türrahmen und schließt den Flügel zentimeterweise, schneckenlangsam, enervierend.
Wenige Minuten später ­‐ Wehgeschrei, langgezogen, wie ein heulendes Tier. Zweimal. Dann Schweigen.
Sie verlässt den Ort still, mechanisch, mit einem fantastischen Kopfputz aus Kanülen und blutgefüllten Plastikschläuchen.

© Doina Weber

Ein Kommentar zu "Geschichte aus der Notfall-Ambulanz"

  • VictorGaply
    5. Februar 2017 - 6:32 Antworten

    If you have been feeling stressed lately, but you are not sure how to deal with it, the advice in this article can help. Feelings of stress are increasingly common in today’s world, but there are ways to help. This article will teach you some easy ways to overcome your stress.

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