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Raus ins Freie!

Wer sich im Grünen aufhält oder auch nur grüne Landschaften betrachtet, tut also eine Menge für Körper und Geist. Das psychische Wohlbefinden steigt, Stress wird reduziert, der Körper entspannt sich. Herzschlag und Blutdruck reduzieren sich. Das kann sich positiv auf die Denkfähigkeit und die emotionale Stabilität auswirken. Zudem verbessern sich die Konzentrationsfähigkeit, die Aufmerksamkeit und somit auch die Arbeitsleistung.“

Annette BöhmWerden sich jetzt mehr Menschen im Grünen, in der freien Natur aufhalten, weil Forscher den Nutzen für die körperliche und seelische Gesundheit nun wissenschaftlich belegen können? Es bleibt zu hoffen, denn es würde den zahlreichen Studien, auf die sich der Artikel „Raus ins Freie! Das ist noch gesünder als gedacht.“ bezieht,  einen befriedigenden Sinn geben.

Abgesehen davon, dass diese Erkenntnisse mit dem Empfinden vieler Menschen korrespondieren, wird auch derjenige, der die Kompetenz und Gewohnheit hat, systemisch zu denken, diese Forschungsergebnisse nicht überraschend finden, sondern als sehr kompatibel mit dem systemischen Kerngedanken der Wechselwirkung.

Lebendige Systeme stehen in ständiger Wechselwirkung mit den Phänomenen ihrer Umwelt. Und je höher ein Lebewesen entwickelt ist, desto mannigfaltiger sind die Wirk- und Rückkopplungsmechanismen, die sich permanent ereignen. Das Umfeld, in dem wir uns bewegen – sei es die Natur, sei es der von Menschen gestaltete Raum – hat Einfluss auf unsere Befindlichkeit. Bewegen wir uns in der Natur, gehen wir – systemisch gesprochen – in einen Austausch mit unzähligen Faktoren dieser Umwelt. Auf der ganz basalen, physischen Ebene findet ein Austausch statt, ohne den unser Leben nicht möglich wäre: Wir nehmen Sauerstoff auf, den Pflanzen bei der Photosynthese abgeben.
Aber auch auf der Ebene der seelischen Befindlichkeit befinden wir uns in permanenter Interaktion, Bezogenheit und Wechselwirkung mit den Elementen unserer Umwelt. Betrachtet man die von Menschen gestalteten Lebensräume in ihrer Aussagekraft und Wirkung, so lässt sich feststellen, dass Regisseure in Filmen auf eine Art Ikonographie der Raumgestaltung zurückgreifen, wenn sie seelische Befindlichkeiten zum Ausdruck bringen wollen. Soll ein Mensch in der Krise gezeichnet werden, der ohne Energie, ausgebremst und ohne Hoffnung auf eine selbstbestimmte Lösung ist, so zeigt man uns chaotische, verwahrloste Zimmer, Teller mit verklebten Essensresten, leere Flaschen und  Zeitungen von gestern… Diese Bilder können wir deuten, weil  wir wissen, dass wir in einer Welt der Wechselwirkung leben.  Generationen von Eltern haben vergeblich versucht, ihre Teenager für diesen systemischen Gedankengang zu gewinnen.

In Analogie zu dem metakommunikativen Axiom von Paul Watzlawick : „Man kann nicht nicht kommunizieren“ könnte man systemisch ausgerichtet sagen: Man kann nicht nicht in Wechselwirkung mit seiner Umwelt sein.

Wir empfangen immer Signale und senden Signale aus. Wirkung entsteht. Austausch und Rückkopplung. Wir Menschen haben allerdings das Privileg, in gewissen Kontexten bewusst darüber entscheiden zu können, welchen Umwelten und Wechselwirkungen wir uns aussetzen. Dieses Privileg, das Zuträgliche zu wählen, könnten wir ausgiebiger nutzen…

© Annette Böhm

http://www.welt.de/gesundheit/article156447797/Raus-ins-Freie-Das-ist-noch-gesuender-als-gedacht.html

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