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Selbstreflexion und Verantwortung im Führungskontext

Kürzlich ist mir ein Artikel aus der Süddeutschen Zeitung, der das Thema Ethik in der Ausbildung künftiger Führungskräfte fokussiert, wieder in die Hände gefallen und hat mich angeregt, meine Gedanken zu „Selbstreflexion und Verantwortung im Führungskontext“ zu formulieren.

Immer wieder begeistern mich die Fähigkeiten, die aus dem Zusammenspiel von Psyche und Körper resultieren und uns lebenslang Entwicklung, Veränderung und Wachstum ermöglichen.

Die Botschaft: „Motivation und Training sind – lebenslang – der Schlüssel zum Erfolg!“ kann meines Erachtens nicht oft genug wiederholt werden!

Mit unserem Gehirn verfügen wir über ein erstaunliches Organ: Es ist viel anpassungs-, regenerations- und lernfähiger als lange Zeit angenommen.

Etliche Ergebnisse der Neurowissenschaften bestätigen das, was viele von uns im Alltag beobachten: Wenn wir Interesse an einer Tätigkeit haben und sie häufig wiederholen, gewinnen wir an Schnelligkeit, an Kompetenz, unser Tun wird müheloser und bereitet uns Freude, wir werden allmählich zum „Experten“, was wiederum von unserer Umwelt wahrgenommen wird und unser Selbstwertgefühl stützt.

An dieser Stelle schlage ich den Bogen zu den Themen Selbstreflexion und Verantwortung, sehr wichtigen Bausteinen menschlicher Beziehungen im beruflichen, gesellschaftlichen und privaten Kontext. Beides sind „Fertigkeiten“, die jeder von uns „trainieren“ kann und die große Bedeutung in ethisch-moralischer Hinsicht haben.

Die Bereitschaft, Gefühle, Gedanken und Verhalten zu reflektieren ist eine gute Voraussetzung, um die Fähigkeit zur Selbstreflexion zu trainieren. Am Beginn eines „Trainings“ stehen einfache Fragen: „Wie fühle ich mich im Moment / wenn … passiert?“, „Was denke ich?“,  „Wie verhalte ich mich?“.

Wenn ich die Perspektive wechsele und frage: „Wie wirke ich in dem Moment auf mein Gegenüber?“ und: “Was bewirke ich damit?“, gewinne ich weitere wichtige Erkenntnisse und bewege mich bereits auf dem Feld der systemischen Sichtweise. Ich gehe in die „Außenperspektive“ und werfe einen anderen Blick auf meine Aktionen und Reaktionen.

So einfach sich dieses Vorgehen anhört, so schwierig kann es werden, sobald Emotionen, Erfahrungen und Erwartungen ins Spiel kommen, insbesondere, wenn sie negativ getönt sind. Spätestens in dem Moment ist es von großem Wert, einen „neutralen“ Gesprächspartner zu haben, der vor unangenehmen Emotionen nicht zurückschreckt, mit ihnen umgehen kann und mit dessen Hilfe es gelingt, das komplexe Geschehen menschlicher Beziehungen im beruflichen Umfeld zu „entwirren“.

Der Prozess der Selbstreflektion erfordert zu Beginn etwas Zeit, wird jedoch leichter und schneller, je öfter ich mir diese Fragen stelle, je mehr ich mich darin übe.

Wie fügt sich die Verantwortung in dieses Thema? Ich wage die These: „Es ist Teil unserer Verantwortung, uns selbst zu reflektieren!“. Spätestens, wenn wir eine verantwortliche berufliche oder gesellschaftliche Position bekleiden, sind wir „in der Pflicht“, unsere Entscheidungen und Handlungen zu reflektieren, ihre Auswirkungen zu erkennen und zu ihnen zu stehen – auch und gerade „bei Gegenwind“!

Der Begriff „Verantwortung“ taucht heute (zu Recht) überall auf. Unternehmen  werben damit, Politiker nehmen ihn in Anspruch, er wird in den Medien diskutiert und begegnet uns natürlich auch im Privatleben. Die Dimensionen unserer persönlichen Verantwortung  können wir reflektieren, wir können sie aktiv wahrnehmen, aber wir können (und sollten!) auch ihre Grenzen (aner)kennen.

Um in Führungsfunktionen erfolgreich vor uns und nach außen zu bestehen und zu wachsen, sind – neben fachlicher Kompetenz – beide Fertigkeiten essentiell!

Ich gehe an den Anfang zurück: Beides lässt sich lebenslang trainieren!

© Dr. Kathrin von Hardenberg

Zum Artikel „Ehrgeiz und Verantwortung“, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

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